Bundestagskandidat Dr. Danyal Bayaz in Hockenheim

„Türkei quo vadis?“ Diese Frage stand im Mittelpunkt eines vom Schwetzinger Grünen Landtagsabgeordneten Manfred Kern initiierten Diskussionsabends in Hockenheim. Eingeladen hatte er den Bundestagskandidaten von Bündnis’90/Die Grünen für den Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen, Dr. Danyal Bayaz, der sich im voll besetzten „Rondeau“ den Fragen der türkischstämmigen Anwältin Arzu Kazak stellte und mit dem Publikum diskutierte.

Deutlich wurde dabei, dass die Türkei für Deutschland und Europa eine enorme Bedeutung hat, nicht nur als Mitglied der G20 und der Nato, teilen die Grünen mit. In Deutschland leben auch rund drei Millionen türkischstämmige Mitbürger, die sich dem Land am Bosporus verbunden fühlen. Bayaz führte eindringlich vor Augen, dass das Land in einer tiefen Krise steckt.

Bayaz mahnte mehr Ehrlichkeit gegenüber der Türkei an. Das Assoziierungsabkommen bestehe seit 1963 und Beitrittsverhandlungen fänden seit 2005 statt. Man könne nicht über Jahrzehnte verhandeln, ohne klar und präzise auch Negatives sofort zu äußern. Die mögliche Einführung der Todesstrafe sei ein „No-Go“ und schließe die Mitgliedschaft in der EU aus.  Bayaz sieht diese nach dem aktuellen Stand der Dinge für mindestens zehn bis 15 Jahre in die Ferne gerückt. 

Zutiefst bedauerlich sei, dass die Türkei ihre Rolle als Musterbeispiel dafür verloren habe, dass Demokratie und Wirtschaft auch in einem vorwiegend muslimischen Land funktionieren können.

Sehr lebhaft wurde auch die aktuelle Situation der türkischen Community in Deutschland diskutiert. So wurde die Frage aufgeworfen, wieso Türkischstämmige der dritten Generation an Pro-Erdogan-Demonstrationen teilnehmen und sich dabei mehr mit dem Land ihrer Vorfahren zu identifizieren scheinen als mit Deutschland.

Bayaz verwies auf den Integrationsprozess, der zu Unrecht als abgeschlossen betrachtet werde. Das Thema Integration müsse auch für Menschen mit türkischen Wurzeln wieder eröffnet werden, sonst „verlieren wir Leute“.

Bayaz unterstrich die grüne Forderung nach der Entkopplung von Herkunft und Bildung als Schlüssel für bessere Chancen für jeden.

Die Diskussion mit dem Publikum fiel nach Angaben der Grünen sehr lebhaft und konstruktiv aus. Dabei standen auch die Religion und der Islam in Deutschland zur Debatte.  Der Bundestagskandidat positionierte sich klar zur Religionsfreiheit.

(Bericht aus Hockenheimer Tageszeitung, Montag 06.02.2017)

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