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Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen
trotz guter Auslastung defizitär

Klicken Mai 2012
„Ein unhaltbarer Zustand“
Kreistagsfraktion der Grünen in der
Geriatrischen Rehaklinik Weinheim.
Kassen-Überschüsse zur Finanzierung der Geriatrischen Rehabilitation einsetzen

Seit 1989 sorgen in Baden-Württemberg Geriatrische Rehakliniken dafür,
dass ältere Patienten direkt nach Krankenhausaufenthalten wieder ihre
größtmögliche Selbstständigkeit gewinnen und eine Pflegebedürftigkeit
vermieden wird.
Der Erhalt der Lebensqualität und die Integration in das soziale Umfeld
sind die vorrangigen Gesundheitsziele, die im Interesse der Alterspatienten
angestrebt werden. Umfragen der Baden-Württembergischen Krankenhaus-
gesellschaft zufolge arbeiten etwa 80 Prozent der Rehabilitations-
und Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg trotz guter Auslastung
defizitär und sind von der Schließung bedroht. „Dies ist ein unhaltbarer
Zustand, der nicht hingenommen werden kann“, heisst es in der
Pressemitteilung der Grünen im Kreistag.

Die Kreistagsfraktion der Grünen im Rhein-Neckar-Kreis nahm dies zum
Anlass, der Geriatrischen Rehaklinik in Weinheim einen Besuch abzustatten,
um sich vor Ort zu informieren.
Dr. med. Johannes-Hermann Wahl, Leitender Arzt der GRN-Kliniken für
Geriatrische Rehabilitation, freute sich über das Interesse der grünen
Kreisräte und bedankte sich bei Ute Zedler, Kreisrätin und GRN-
Aufsichtsratsmitglied, dass sie die Initiative zu dem Besichtigungstermin
ergriffen hat.
Umgeben von einem Park biete die GRN-Klinik für Geriatrische
Rehabilitation das ideale Umfeld, in dem sich die Patienten,
vorwiegend aus Weinheim und Umgebung, wohnortnah und nachhaltig
erholen können. Insgesamt verfüge die Reha-Klinik über 30 stationäre
Behandlungsplätze mit Versorgungsvertrag.
Das geriatrische Therapieangebot umfasse die fachärztliche Betreuung,
Ergotherapie, Physiotherapie, Physikalische Therapie, Logopädie sowie die
aktivierend-rehabilitative Pflege, den Sozialdienst und Gruppentherapien.
In den auf den Patienten bezogenen regelmäßig stattfindenden
Besprechungen des Rehabilitationsteams wird der Rehabilitationsprozess
analysiert, angepasst und dokumentiert, erläuterte Dr. Wahl.
Über 70-jährige Patienten nach Schlaganfall, mit Frakturerkrankungen,
mit chronischen Erkrankungen sowie bei krankheitsbedingter verzögerter
Rekonvaleszenz werden behandelt. Die Verweildauer liege bei 21 Tagen,
vier von fünf Alterspatienten könnten wieder in ihr gewohntes Leben
zurückkehren. An allen drei Klinikstandorten , sowohl in Weinheim wie
auch in Schwetzingen und Sinsheim, werden die Rehabilitationsleistungen,
informierte Dr. Wahl die interessierten Kreisräte, nach einem einheitlichen
Rehabilitationskonzept erbracht. Leitbild, Personalstruktur, Zielverfolgung
und Prozessabläufe seien identisch und unterliegen einem einheitlichen Qualitätsmanagement.

Dass auch bei einer nahezu hundertprozentigen Auslastung,
es nicht gelinge, das jährliche Defizit in den Geriatrischen
Einrichtungen des Rhein-Neckar-Kreises zu vermeiden, stieß auf
allgemeines Unverständnis.
Die von den Krankenkassen zugestandenen Vergütungssätze liegen
nach Berechnungen der Baden-Württembergischen Krankenhaus-
gesellschaft (BWKG) weiterhin mindestens 25 Euro unter dem Bedarf
von 203 Euro pro Alterspatient und Behandlungstag, war zu erfahren.
„Reha rechnet sich“, zeigte sich die Dossenheimer Kreisrätin,
Ute Zedler, überzeugt.
Allein, wenn es durch eine geriatrische Rehamaßnahme gelinge,
eine Pflegebedürftigkeit in der Pflegestufe 1 für nur dreieinhalb Monate
aufzuschieben, sei die Reha schon finanziert.

Adolf Härdle, Kreisrat aus Hockenheim und langjähriges Mitglied im
GRN-Aufsichtsrat, wies darauf hin, dass die Kassen seit Jahren
auskömmliche Vergütungssätze verweigerten.
Mit den kürzlich vereinbarten höheren Vergütungssätzen könnten nicht
einmal die in den nächsten Jahren zu erwartenden Personal- und Sachkostensteigerungen gedeckt werden.

Die Kassen erzielten aktuell hohe Überschüsse, die auch zur Finanzierung
der Geriatrischen Rehakliniken eingesetzt werden sollten. Nur so könne
flächendeckend die hochwertige Versorgung der alten Menschen in
geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen gesichert werden.

Ralf Frühwirt, Fraktionssprecher der Kreistagsgrünen, sieht im
Zusammenhang mit der Fortschreibung des Geriatriekonzepts 2001
der baden-württembergischen Landesregierung Chancen in einer
gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten, die Finanzierung auf eine
nachhaltig tragende Basis zu stellen. Schließlich sei in der Zukunft auf
grund der demografischen Entwicklung mit einer Steigerung geriatrischer
Rehamaßnahmen zu rechnen. Auch müsse überprüft werden, welchen
Beitrag der Kreis zur Bestandssicherung seiner Geriatrischen Rehakliniken
zu leisten in der Lage sei.

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